Paddeln in Kolumbien macht glücklich

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Mitte Dezember 2014 steigen fünf Kayakfahrer aus dem Flugzeug. Veronika Wolf, Madeleine Rohrer, Susanne Schneebeli, Peter Luppa und Klaus Hasenbach sind auf der Suche nach einem Paddelabenteuer in Kolumbien.Kees van Kuipers hat sich in das Land Kolumbien verliebt und paddelt seit 2004 jedes Jahr neue Flüsse in verschiedenen Ecken des Landes.
Auf dieser Reise werden Kees und Maud Verboven mit viel Enthusiasmus und Passion die Flüsse rund um die ehemalige Kolonialkleinstadt San Gil zeigen. Eines der grossen Highlights wird die fünftägige Tour durch den Chicamocha Canyon sein. Ein Kajakteam in Kolumbien ist aber nicht komplett ohne Locals: Libardo Ramirez, Katalina Porras und Don Carlitos werden mit zur Crew gehören. Die Gruppe wird 16 Tage unterwegs sein um Land, Kultur und das Flussleben kennen zu lernen.

Gruppenfoto
The Team.

 

Strasse blick San Gil
Die steilen Strassen von San Gil.

Um unsere Muskeln warm zu paddeln machen wir mehrere Tagesausflüge in der Gegend von San Gil. Der Hausfluss heisst Rio Fonce. Der untere Teil bietet ein paar tolle Playspots zum Surfen und Spielen und viele schöne Kehrwasser. Landschaftlich ist der Rio Fonce traumhaft, und unterwegs können wir immer wieder anhalten und uns bei den Einheimischen mit Guarapo (dem lokalen Wein) und Wurst stärken. Der obere Teil des Rio Fonce fliesst abwechselnd durch Schluchten und dichte Vegetation. Schönes, übersichtliches Wildwasser führt uns durch die Schluchten. Wir geniessen das einfachere Wildwasser und die Landschaft. Farbige Schmetterlinge, Blumen und Vögel begleiten uns.

Playing around on the Rio Fonce
Spielerisch Kajak fahren auf dem Rio Fonce.

Der letzte Kilometer des oberen Abschnitts endet in einer wunderschönen sportlichen Schlucht mit steilen Stromschnellen - ein Boof Paradies! Madeleine fährt etwas angespannt in eine der Stromschnellen und zeigt uns bald darauf die Unterseite ihres Kendos. Ein roter Helm kommt an die Wasseroberfläche. Libardo hilft ihr ans Ufer, wo sie gleich lachen muss. Schön, in Libardos exotisch-grüne Augen zu blicken. Schwimmen in Kolumbien ist ein angenehmes Erlebnis: warmes Wasser und hübsche Retter.
 
Klaus geniesst die Umgebung des Rio Fonce.

Einige schöne Stellen weiter öffnet sich die Schlucht, und der Rio Fonce fliesst in eine lange WW V Stromschnelle, welche `Infernito` heisst, die kleine Hölle. Wir steigen vor dieser Stelle aus und befinden uns mitten in einem Mandarinenfeld. Ein gesunder und leckerer Ausstiegsort. Der 'Wanderweg' führt durch den Garten einer kolumbianischen Familie zur Strasse, wo unser Taxifahrer Don Carlitos mit seinem fünfjährigen Sohn auf uns wartet. Der Aperitif mit kaltem Bier und Packitas (Chips) ist nach einem so schönen Paddeltag die Kirsche auf dem Sahnehäubchen.

Grüner Leguan
Der grüne Leguan wohnt am Flussufer.

Der Rio Suarez ist einer von Kolumbiens Klassikern für Kajakfahrer und Rafter. Der kommerziell befahrene Abschnitt bietet Wildwasser IV bei jedem Wasserstand. Auf dem oberen Teil ist es möglich, mehrtägige Touren zu unternehmen. Der Wasserstand des Rio Suarez schwankt extrem. Heute finden wir einen sehr tiefen Wasserstand vor, und unsere Gruppe möchte es gern probieren.

Am Einstieg treffen wir auf eine kolumbianische Familie beim Picknick. Sie sitzen um ein kleines Feuer herum und bieten uns Essen an: Tamales, ein Gericht bestehend aus Maisteig, gefüllt mit Reis und Fleisch. Das Ganze ist in Pflanzenblätter eingehüllt und wird über dem Feuer gebacken.

Einheimische teilen am Einstieg des Rio Suarez ihr Essen mit uns.

Die Kolumbianer sind begeistert von unseren Kajaks. Veronika ist begeistert von den kolumbianischen Walzen. In der ersten Stromschnelle teilt sie sich eine mit Klaus. Durch den niedrigen Wasserstand gibt es viele technische Stromschnellen mit ordentlichen Löchern und Pour-overs. Auf einem schönen Uferstrand essen wir zu Mittag und machen Siesta. Am Nachmittag gibt's mehrere schöne Stellen. Die schwierigen schauen wir uns an, planen die Linien oder nehmen die Boote auf unsere Schultern und umtragen.

Wir freuen uns über die eigenen tollen und manchmal spannenden Fahrlinien und die der Mitpaddler. Beim Ausstieg sind die Einen erleichtert: 'Geschafft, jetzt kann ich mich entspannen', für die Anderen könnte es gleich weitergehen: 'Wow, so geil, wann gehen wir wieder?" Libardo organisiert uns kaltes Bier und Guarapo. Es war ein wunderschöner Tag. Einfach Klasse.  

Kees, einige Sekunden vor dem auto-Boof.

 

Spass auf dem Rio Suarez.

Die Zeit für ein grösseres und längeres Abenteuer ist gekommen. Das Dach von Don Carlitos Bus ist vollgeladen mit unserem persönlichen Gepäck, den Kayaks, einem Raft und Essen. Wir haben eine fünftägige Tour durch den Chicamocha Canyon geplant. Die Reise zum Capitanejo führt auf Sandpisten über 3000 Meter hohe Bergpässe. Die Hinreise ist ein Traum mit vielseitigen Landschaften und einem Blick auf den beschneiten Vulkangipfel der Cucuy Bergkette. Wir kleben mit unseren Kameras an den Fensterscheiben.

Das Dach von Don Carlitos Bus ist voll beladen.

 

Anreise zum Einstieg.

In Capitanecho begrüsst uns Don Agustin, ein Freund von Kees. Nachdem wir die Boote abgeladen haben müssen alle zur Bar und ein Bier mit ihm trinken. Don Agustin freut sich über unseren Besuch, seine Augen glitzern. Susanne hat eine magnetische Wirkung auf die kolumbianischen Männer. Auch in dieser Bar fragen die Locals nach der blonden Schweizerin. Nach drei (oder vier?) Bier verabschieden wir uns. Si, si claro, wir kommen später wieder zurück, um mehr Bier zu trinken, versprechen wir. Der nächste Halt ist unser Hotel. Sorry, Don Agustin, kein Bier mehr. Wir gehen schlafen, damit wir morgen frisch und munter auf unseren Overnighter können.

 
Chicamocha Canyon Natural Park.

Nach einem Frühstück mit viel Kaffee steigen wir ein in den Chicamocha Fluss. Jetzt fängt das Abenteurer wirklich an. Fünf Tage durch eine der tiefsten Schluchten der Welt liegen vor uns. Der Chicamocha entspringt dem schneebedeckten Nevado del Cocuy Gebirge. Cocuy ist eine Bergkette mit 17 über 5000 Meter hohen Gipfeln. Das Raft haben wir beladen mit Essen, Trinken, Kochutensilien, Wechselklamotten, Hängematten, Schlafsäcken. Sicherheitsausrüstung und Ersatzpaddel hat jeder in seinem eigenen Kajak.

paddeln swischen steile wände
Die Landschaft ist unglaublich schön.

Der Chicamocha fliesst durch eine Halbwüste, wo die Lufttemperatur tagsüber um die 30 bis 35 Grad ist. Eine überwältgende Landschaft, eingerahmt durch hohe Berge. Der erste Abschnitt bietet non-stop herrliche, übersichtliche WW III Stromschnellen. Es ist einfach, die Linien zu finden, der Fluss ist breit und hat viele Durchfahrtmöglichkeiten. Dadurch können wir entspannt paddeln und geniessen.

Tolle Felswände.

Jeden Nachmittag suchen wir einen schönen Schlafplatz mit genügend Bäumen (mit zwei Metern Zwischendistanz) für die Hängemattenbenutzer und flachen Grund für die Bodenschläfer. Auch an Land funktioniert unser Team perfekt: Wir organisieren die Schlaforte, installieren die Küche, bereiten die Mahlzeiten zu um uns schliesslich ums Lagerfeuer zu versammeln und unter den Sternen zu essen. Besser als wie in einem Fünfsternerestaurant. Der Chicamocha bietet am dritten Tag WW II Stellen und wunderschöne Ausblicke auf die Berge. Kein Wunder, dass diese Schlucht zu den nominierten Orten für die Wahl der Sieben Neuen Natürlichen Weltwunder gehört.

Wir kochen gemütlich, der Abend bricht herein.

Wir kommen in die Nähe der Zivilisation, und es gibt die Möglichkeit zum Gleitschirmfliegen. Veronika, Peter, Madeleine und Susanne werden abgeholt und fliegen über die Chicamocha Schlucht. Nachher feiern wir den 50. Geburtstag von Peter mit einem grossen Kuchen und Feuerwerk. Um diesen Tag komplett zu machen, verabschieden wir uns wieder von der Zivilisation und fahren mit unseren Kajaks tiefer in den Chicamocha Canyon hinein, wo schöne, lange WW III+ Strohmschnelle und steile Canyonwände auf uns warten.

Peters Geburtstag im Chicamocha Canyon.

 

Gleitschirmfliegen über dem Canyon.

 
Enge verschnellung in Chicamocha Canyon
Susannes Einfahrt in die Stromschnelle der engen Schlucht.

Fünf Tage nach unserem Einstieg in Capitanejo sind wir am 31. Dezember am Ausstieg, 'Raspacullos' genannt. Wir tragen die Kajaks, unser Gepäck und das Raft hoch in (unmenschliche) 40 Grad. Oben wartet unser Taxifahrer auf uns. Interessanterweise reisst genau hier die Naht bei Klaus' kolumbianischer Lieblingshose. Raspacullos heisst auf Deutsch: Geschrammter Hintern. Aah, jetzt verstehen wir den Namen dieses Ortes. Die Strasse zurück zur Zivilisation ist in einem extrem schlechten Zustand. Deswegen gibt es nur einen Taxifahrer, der auf dieser Piste arbeiten möchte. Während dem Fahren  stabilisiert er sich denn auch mit einer Hand am Steuer und mit der anderen am speziell installierten Handgriff, damit er nicht aus dem Fernster fliegt, wenn er durch ein Schlagloch fährt. Während wir Kurve um Kurve hoch fahren nehmen wir Abschied von diesem tollen Flusserlebnis. 

Klaus' Hose erklärt den Namen des Ausstiegs: raspacullos.
gleidschirmfliegen oberhalb von Chicamocha Canyon
Der letzte Blick in den Canyon.

Sechzehn Tage paddeln im warmen Wasser der Flüsse Kolumbiens hat unsere Gruppe zu einem gut funktionierenden Team zusammengeschweisst. Wir haben einander, das Land und die kolumbianische Kultur besser kennen gelernt. Wir haben einfache Flüsse befahren und in der Natur gelebt. Wir sind schwierige Etappen gefahren mit Hammerlinien. Wir sind geschwommen, haben in die Augen von Libardo geblickt, das Flussleben Tag und Nacht durchlebt. Wir sind geflogen, haben unter den Sternen geschlafen und überraschende Momente mit der lokalen Bevölkerung erlebt. Wir sind in einer Dorfdiskothek in das Jahr 2015 getanzt. Der Gruppenspirit ist super, das Essen ist gut, die Gegend extrem schön, der kolumbianische Geist ist in unseren Herzen. Es gibt eigentlich wirklich keinen Grund, auf den Verstand zu hören und morgen zurück nach Hause zu fliegen...

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kayakfahren in Kolumbien macht glucklich
Veronika: Kajakfahren in Kolumbien ist traumhaft.
Kajak fahren in Kolumbien macht glucklich
Kayakfahren in Kolumbien macht glücklich.


 

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