Mit dem Raft zur Forschung im Flimser Bergsturz
Veröffentlicht
Am 11. Mai wurde die Rheinschlucht zum Schauplatz einer ungewöhnlichen Verbindung von Rafting-Erfahrung und geologischer Forschung. Unterstützt von der Kanuschule Versam gelangte eine kleine Arbeitsgruppe von Wissenschaftlern der TU München per Raft zur schwer zugänglichen Bruno-Scheidegger-Höhle.
Mit dem Raft bis an den Eingang der Bruno-Scheidegger-Höhle - nur bei niedrigem Wasserstand möglich.
Mit dabei waren Dr. Andreas von Poschinger und seine Lebensgefährtin, em. o. Univ.-Prof. Dr. Jean Friedrich Schneider, Prof. Dr. Michael Krautblatter sowie dessen Doktorand Max Rau.
Die Anfahrt war nur dank des vergleichsweise niedrigen Wasserstands des Vorderrheins möglich, sowie der sicheren Führung durch Raftguide Sam, der die Gruppe samt umfangreicher Ausrüstung zuverlässig zur Höhle brachte. Das Raft war dabei nicht nur mit Personen, sondern auch mit wissenschaftlichem Gerät voll beladen. Neben Helmen, Lampen und Probenmaterial mussten unter anderem eine Motorkettensäge mit Diamantschneidblatt sowie weitere Ausrüstung zur Probenahme transportiert werden. Auf dem Rückweg kam zusätzliche Last hinzu, denn die entnommenen Gesteins- und Lockergesteinsproben mussten ebenfalls sicher über den Fluss zurückgebracht werden.
Die geschnittenen Proben sollen im Labor Hinweise auf die beim Bergsturz erreichten Temperaturen liefern.
Ziel der Aktion war die Beprobung einer Scherbahn des Flimser Bergsturzes. In der engen Höhle wurden aus gestriemten Wandbereichen Proben herausgeschnitten. An diesen Proben sollen im Labor später Rückschlüsse auf die Temperaturen während der Bewegung des Bergsturzes gewonnen werden. Die gestriemten Harnischflächen an den Höhlenwänden zeigen eindrucksvoll, welche gewaltige Dynamik in diesem Gebiet wirksam gewesen war.
Die hochgepressten Seeablagerungen an der Decke der Höhle und rechts gut sichtbare Harnischstriemen.
Zusätzlich wurden Lockergesteinsproben aus dem Material der Höhlendecke entnommen. Vermutlich handelt es sich dabei um Seeablagerungen, die zwischen den Bergsturzablagerungen in dieser Kluft hochgepresst wurden. Gut erhaltene Hölzer in diesen Ablagerungen haben bereits dazu beigetragen, das Alter des Flimser Bergsturzes sehr genau einzugrenzen. Am Nachmittag wurden weitere Aufschlüsse in der Rheinschlucht zu Fuß besucht und gemeinsam betrachtet und diskutiert.
Am Nachmittag: weiterer Aufschluss im Val Mulin.
Die Kanuschule Versam führt in unregelmässigen Abständen die Forschergruppe der TU München um Dr. Andreas Poschinger mit dem Raft in die Rheinschlucht. Dies ist eine Win-Win-Situation: Die Forscher:innen kommen so an schwierig zugängliche Orte in der Rheinschlucht und wir werden von den führenden Wissenschaftlern des Flimser Bergsturzes auf eine Zeitreise in die Geologie mitgenommen.
Möchten sie eine Reise mit dem Rafting-Boot durch den bedeutendsten Bergsturz Europas mit uns machen und tiefer in die Geschichte des Flimser Bergsturzes eintauchen? Auf einer Tagesfahrt durch die Rheinschlucht von Ilanz nach Reichenau erleben sie die ganze Geschichte hautnah.
Das neueste Buch von Dr. Andreas Poschinger über den Flimser Bergsturz führen wir im Paddlershop.
So etwas wie den Flimser Bergsturz in der Ostschweiz kann man fast nirgendwo und zudem nirgends so leicht zugänglich besichtigen. Der früh-warmzeitliche Bergsturz ist weltweit einer der größten überhaupt, so dass seine gewaltigen Dimensionen und das Ausmaß der Folgen nur mit einer gut verständlichen Beschreibung erfasst werden können. Nach den über 160 Jahren Bergsturzforschung, an denen der Geologe Dr. Andreas von Poschinger maßgeblich mitgewirkt hat, hat der Bergsturz inzwischen einige seiner vielen Geheimnisse preisgegeben. Die fachliche Rekonstruktion der damaligen katastrophalen Ereignisse soll letztendlich auch dabei helfen die Frage zu beantworten, mit was allem im Bergland grundsätzlich gerechnet werden muss und ob so etwas wieder passieren kann.